Schule draußen in der Natur? Wo geht denn so was? In Bergneustadt! Genauer gesagt mit der Hauptschule Bergneustadt.
Der Klassenlehrer Stefan Tetzner und Michael Klaka vom Förderverein für Kinder, Kunst und Kultur in Bergneustadt haben gemeinsam mit Daniela Spies und Dr. Kerstin Bastian von Auszeit ein naturpädagogisches Projekt für die Kinder der Klasse 5 c kreiert. Insgesamt 17 Kinder konnten und durften von April bis Juni einmal in der Woche Spiel und Abenteuer im nahe gelegenen Wald erleben.
Die Multi-Kulti-Klasse mit einem Migrationsanteil von mehr als 75 % lernt ihr erstes Schuljahr gemeinsam an der Hauptschule Bergneustadt. Ein wichtiges Klassenziel ist es, Weichen für eine gelingende Integration mit vielen Verschiedenheiten und für eine erfolgreiche (Schul-)Zukunft zu stellen. “Null-Bock-Stimmung”, Aufmerksamkeitsstörungen und Herumgezappel, Bewegungs- und Gefühlsstau behindern eine verständnisvolle Lernathmosphäre. Zu oft besteht Unterricht zu einem großen Teil darin, die notwendigen organisatorischen Rahmenbedingungen zum Lernen herzustellen.
Daniela Spies, Wildnistrainerin und Kräuterpädagogin, und Dr. Kerstin Bastian, Dipl.Sportlehrerin und Qigong-Lehrerin, haben ein Programm entwickelt, in dem mit einfachen und “natürlichen” Mitteln Teamworking und Kooperation gefördert werden. Die Natur selbst bietet gelassene Freiräume, Spiel- und Bewegungsräume an, um motorische Unruhe abreagieren zu können, Aufmerksamkeit zu schulen und neue Wahrnehmungen zuzulassen. Die Natur wird ganz bewusst als Partnerin eingesetzt, um Selbstregulierungen anwenden zu können und stimuliert ganzheitliches Lernen. Sie nimmt die Energie der Kinder auf und transformiert sie, während die Energie der Kinder in einer Schule mit ihren Betonwänden sehr oft grob als Echo zurückkommt. Der Aufenthalt mit der Natur schafft eine Identifikation mit dem eigenen Lebensraum und fördert das Gefühl, “heimisch” zu sein, sich weniger getrennt zu fühlen. Für einige Kinder war es allerdings auch wichtig, Ängste in und vor der Natur abzubauen, wie z.B. die Angst vor Zecken oder möglicherweise umstürzenden Bäumen.
In mehreren kurzen 90minütigen “Wilde-Schule”-Einheiten und einem knapp 5stündigem Aufenthalt im Wald haben Daniela Spies und Dr. Kerstin Bastian kooperative Spiele, Geländeerkundungen (wie z.B. den Grund des Bachcanyons komplett durchwandern), Orientierungsspiele, Überlebens-Laubhütte bauen, Feuer und Stockbrot selber machen, Mutübungen mit Baumstämmen, Barfuss-Übungen und Jib-Line durchgeführt und Frustrationstoleranz geübt, wenn es zum Beispiel regnete. Zudem haben die Kinder Atemübungen und Qigong-Übungen kennen gelernt, mit denen Wut, Angst und Stress selbst beeinflusst werden können.
Eine begleitende Befragung der Kinder mit einem Fragebogen vor Beginn der “Wilden Schule” ergab, daß das “Draußen Spielen”, “Mit Anderen spielen” und persönliche Eigenschaften, wie “Spaß am Lernen von Neuem”, “Mut” und “Stärke” als positiv eingeschätzt wurden. Die Fähigkeit “etwas im Gedächtnis zu behalten, die eigene Ausdauerleistungsfähigkeit, das Gefühl einer Klassenzugehörigkeit, die Fähigkeit zum Alleinsein und der Umgang mit Provokationen wurden eher neutral eingestuft. Eher negativ wurde die Frage “Gehst du gerne in die Schule?” beantwortet.
Das Fazit des Klassenlehrers Stefan Tetzner lautet: “Allen Beteiligten hat das Projekt viel Spaß gemacht. Alle Kinder waren engagiert dabei und konnten vielfältige Erfahrungen machen. Auffällig war, dass die meisten Kinder noch nie im Wald von den Wegen weg waren oder überhaupt nie in den Wald gehen. Wir Lehrer waren in der Regel Beobachter und lernten unsere Kinder aus einer neuen Perspektive kennen und einzelne auch mit Stärken, die im Schulleben eher nicht auffallen. Der Klasse hat das Projekt immens dabei geholfen, sich als Gruppe zu verstehen und gemeinsam Probleme anzugehen.”
Weitere Infos zu erhalten Sie unter www.auszeit-natur.de.







