Bewölkter Himmel und Kapuzenwetter. Zehn Kinder schleichen durch das offene Gebüsch oberhalb von Bergneustadt. “Da”, ruft das Kind an der Spitze, “Ich hab was!” Alle stürzen nach vorne. Das Kind zeigt stolz auf den Boden und sagt “hier ist ein Bett vom Reh.” Wir erkennen die frei gekratzte Erde und sogar einen Fußabdruck in der Mitte. Jetzt haben die Jungen und Mädchen Feuer gefangen und suchen weiter. Mit dem richtigen Blick werden sie schnell fündig. “Was ist das?” werden Daniela Spies und Dr. Kerstin Bastian, die Initiatorinnen des WiKi-Projektes, gefragt. “Hmm”, sagt Daniela Spies “wie sieht es denn aus?”. “Fünf runde Punkte. Und das sind Krallen. Und in der Mitte ist Luft!”, rufen die Kids. Statt direkt eine Antwort zu bekommen, lernen die Kinder genau hinzusehen und Fragen zu stellen, ganz im Sinne der Lerntechnik der Indianer, dem Coyote-Teaching.www.auszeit-natur.de
Wir gehen querwaldein zur Überlebenshütte, die wir vor einigen Monaten gebaut haben und die die Zeit im Wald erstaunlich gut überstanden hat. “Lebt das Tier mit den Spuren da drin?” wollen die Kids wissen. Die Betreuerinnen ermutigen sie, selber nachzusehen. Zwei Kinder sind couragiert genug, sich in die dunkle, trockene Laubhütte zu zwängen. Sie rufen stolz: “Hier ist nichts!”
Wir sind dicht am Geisterwald, einer engen, verfilzten Tannenschonung. Dort wollen wir Verstecken spielen. Den Kleinsten bei uns wird es ein bisschen mulmig. Sie kennen den Wald noch nicht gut. Daher machen wir eine Mutmach-Übung bis wir uns stark genug für das Spiel fühlen.
Der Krähenruf sammelt alle spielenden Kinder wieder zusammen. Kerstin Bastian erklärt das nächste Waldläuferspiel. Neues Territorium will entdeckt werden und alle müssen aufpassen, dass die Gruppe sich nicht verläuft. Jedes Kind darf nach einer vorher festgelegten Reihenfolge der Führer der Gruppe sein und diese an einen besonderen Platz im Wald bringen. Der Platz bekommt von diesem Kind einen besonderen Namen verliehen. Klare Regeln und Konsequenz müssen dabei sein. Wut und Trotz, wenn ein Kind nicht darf, weil es nicht an der Reihe ist, werden ausgehalten. Wir lernen die “Drachenburg” kennen, spielen ein wenig auf dem “Hexenplatz” und kämpfen uns durchs “Dickicht der Goldenen Eichhörnchen”. Am Ende unserer Strecke findet Daniela Spies eine Pflanze, von der sie ein Stück abzupft und in den Mund steckt. Einige Kinder probieren es auch aus. “Oh”, sagen sie überrascht, “schmeckt wie Kaugummi”. Daniela Spies erzählt den Kindern die Geschichte, wie die die Nymphe Mentha in eine Pfefferminzpflanze verwandelt wurde.
Es wird Zeit, nach Hause zu gehen. Kerstin Bastian erklärt den Kindern, dass die Namensvergabe eine besondere Orientierungstechnik ist, mit der auch die australischen Ureinwohner, die Aboriginies, ihre Traumpfade wieder finden. “Findet ihr euren Weg zurück, von einem Platz zum nächsten?”. Gemeinsam stürmen wir über Äste, Baumstämme, Ranken, Steine und Laub Ort für Ort zurück. Die Kinder helfen sich gegenseitig beim Wiederfinden. Das hat prima geklappt und wir freuen uns gemeinsam. Zum Abschluss bekommt am Wegrand noch jedes Kind, das möchte, einige Blumenzwiebeln in die Hand, für die es sich einen speziellen Ort aussuchen kann. Mit einem Stock werden kleine Löcher gebohrt und die Zwiebeln in die Erde gelegt. “Das macht Spaß”, sagt ein Mädchen. “Wann können wir die Blumen sehen?” fragt ein Junge.
Nun geht es endgültig zurück zum Jugendtreff des Förderkreises für Kinder, Kunst und Kultur e.V. Alle zwei Wochen bietet der Förderverein dieses naturpädagogische Angebot für 8 - 12jährige Mädchen und Jungen mit Migrantenhintergrund an. Interessierte Kids sind herzlich eingeladen!
Die Kinder lernen ihre Umgebung und die Natur vor ihrer Haustür auf spielerische und sinnliche Art und Weise kennen, bekommen ökologische Zusammenhänge vermittelt und können neue Lernerfahrungen machen. Die Auseinandersetzung mit Wind und Wetter, Dornen und weichem Moos, Anstrengung und freiem Spiel, altbekannten Wegen und dunklem Dickicht fördert persönliche Faktoren wie Neugier, Mut, Durchhalte- und Durchsetzungvermögen, Selbstkontrolle, Verantwortungsbewusstsein und den angemessenen Umgang mit Emotionen. Motorische Komponenten wie Ausdauer und Geschicklichkeit, Kraft und Schnelligkeit werden automatisch in dieser vielfältig strukturierten natürlichen Umgebung verbessert. Hütten bauen, Farben mischen, Feuer machen und Schnitzen trainieren neben anderen Survivaltechniken eine Menge handwerklicher Fähigkeiten. Spiel und gemeinsame Abenteuer fördern die soziale Kompetenz. Positive Bestärkungen fördern den Selbstwert und die Freude am Umgang mit Anderen.
Ganz zum Schluss kommt ein Kind zu den beiden Betreuerinnen und sagt: “Ich weiß, von welchem Tier der Fußabdruck ist, den wir vorhin gefunden haben”. “Hm, ja?”, fragen die Zwei. “Vom Fuchs. Den habe ich vor ein paar Tagen da gesehen und die Spuren sind von dem!”. “Prima!” wird das Kind gelobt und alle grinsen sich an.
Infos gibt es bei Auszeit, Dr. Kerstin Bastian und Daniela Spies, www.auszeit-natur.de oder Michael Klaka, www.neustadtfenster.de












